PRESSEMITTEILUNG zum Gedenktag des Völkermords an den Aramäern am 15. Juni 2016 Drucken
Montag, 13. Juni 2016

Gedenkveranstaltung nach der Völkermord-Resolution erscheint in besonderem Licht

Heidelberg/Berlin, 13.06.2016 - Nach der historischen Völkermordresolution im Deutschen Bundestag am 2. Juni 2016 beginnt für die Nachkommen der Opfergemeinschaften ein neuer Abschnitt der Erinnerungskultur. Das Geschehene wurde endlich als das eingestuft, was es war: Völkermord.

Mit einer Gedenkveranstaltung am 15. Juni im Französischen Dom zu Berlin wird an die aramäischen Opfer im Osmanischen Reich erinnert. Auf Einladung der NISIBIN - Stiftung für Aramäische Studien werden neben S.E. Mor Philoxenus Mattias Nayis, Erzbischof der Syr.-Orth. Diözese Deutschland, auch der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer, Daniyel Demir, sowie der Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir MdB, Gruß- und Festreden halten. Neukomponierte Kirchenlieder nach syrisch-aramäischer Tradition von Andranik Fatalov umrahmen die Gedenkfeier.

„Der offizielle Gedenktag der Aramäer am 15. Juni, erscheint nun nach der vielbeachteten historischen Völkermordresolution im Deutschen Bundestag in einem ganz anderen, besonderen Licht. Es ist der erste Gedenktag nach einer politischen Neubewertung und überfälligen Klarstellung, die die schrecklichen Ereignisse vor 101 Jahren im Osmanischen Reich erstmalig als Völkermord einordnet. 150.000 Aramäerinnen und Aramäer bundesweit danken dem Deutschen Bundestag für diesen mutigen und historischen Schritt. Hassbotschaften und rassistische Hetze aus der Türkei, die zu steckbriefartigen Fahndungslisten bis hin zu Morddrohungen gegen deutsche Bundestagsabgeordnete führen, sind völlig inakzeptabel und in aller Schärfe besonders von der Bundesregierung zurückzuweisen.“, erklärt der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir.

Im Vorfeld der Gedenkfeier findet eine Kranzniederlegung an der ökumenischen Gedenkstätte in Berlin für die armenischen, aramäischen und griechischen Opfer des Genozids statt, zu der die ´Fördergemeinschaft für eine ökumenische Gedenkstätte für Genozidopfer im Osmanischen Reich e.V.´ einlädt. Weitere Information sind unter www.nisibin.de ersichtlich.

In den Jahren 1915 bis 1923 sind neben 1, 5 Millionen Armeniern, hunderttausenden griechisch-orthodoxen Christen bis zu 600 Tausend Aramäer durch Massaker, Massenmord und Deportation durch das osmanische Militär und kurdischen Hilfstruppen umgekommen. Dies entsprach etwa zwei Dritteln der Mitglieder der damals auf dem Gebiet der heutigen Türkei lebenden Aramäer.

Weitere 200 – 300 Tausend wurden aus ihrer angestammten Heimat vertrieben oder als Kinder verschleppt und zwangsislamisiert. 

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland e.V. setzt sich für die Rechte und Interessen der Aramäischen Gemeinschaft in Deutschland und den Heimatländern ein. Die Aramäer sind ein semitisches Volk, das im Südosten der Türkei sowie in den Ländern des Nahen Ostens beheimatet ist. In Deutschland leben etwa 150.000 Aramäer, in der EU insgesamt bis zu 300.000. Die christlichen Aramäer sind hauptsächlich Angehörige der syrischen Kirchen, darunter syrisch-orthodox, syrisch-katholisch, syrisch-maronitisch, syrisch-chaldäisch, apostolische Kirche des Ostens und Weitere.