PRESSEMITTEILUNG: 3 Jahre ohne Lebenszeichen – Schicksal entführter Erzbischöfe in Syrien weiterhin ungewiss Drucken
Donnerstag, 21. April 2016

Bundesverband der Aramäer in Deutschland fordert die Bundesregierung um Aufklärung

Heidelberg, 21.04.2016 – Am 22. April 2016 jährt sich die Entführung des syrisch-orthodoxen Erzbischofs Mor Gregorios Yohanna Ibrahim und seines griechisch-orthodoxen Amtsbruders Boulos Yazigi bereits zum dritten Mal.

Die Bischöfe wurden am 22. April 2013 nahe der Stadt Aleppo von islamistischen Rebellen verschleppt. Sämtliche Bemühungen zur Freilassung der Bischöfe blieben bisher erfolglos. Drei Jahre danach fehlt von ihnen noch immer jedes Lebenszeichen.

Dazu erklärt der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir: „Für die Christen in Syrien und die Aramäische Gemeinschaft weltweit markiert der 22. April 2016 einen weiteren traurigen Jahrestag. Mit der Entführung der Erzbischöfe, die stets für Frieden und Dialog in Syrien warben und nun bereits seit 3 Jahren vermisst werden, befindet sich die gesamte Christenheit Syriens in Geiselhaft. Ihr ungewisses Schicksal raubt den noch ausharrenden Christen mehr und mehr den letzten Funken Hoffnung auf eine Zukunft und Perspektive in ihrer Heimat. Die Hälfte der christlichen Bevölkerung hat Syrien bereits verlassen.“

Beide Würdenträger gelten als Befürworter der friedlichen Koexistenz von Religions-gemeinschaften und Volksgruppen in Syrien. Erzbischof Mor Gregorios Yohanna Ibrahim hatte im Juli 2012 eine Roadmap für den Frieden in Syrien veröffentlicht, um Versöhnung, Vergebung, Dialog und Gegenseitigkeit zu sichern - und zugleich das einmalige pluralistische Gefüge der syrischen Gesellschaft und nationalen Einheit zu bewahren. Der Erzbischof rief damals zum sofortigen Ende der Gewalt, zur wirksamen humanitären Hilfe und zum umfassenden Dialog auf, für eine Lösung am Verhandlungstisch, um der Tragödie ein Ende zu bereiten.

„Die Verantwortung für die Sicherheit und Unversehrtheit der entführten Erzbischöfe liegt in erster Linie in den Händen der syrischen Opposition, die angibt, die militärische, wie auch zivile Kontrolle über das Gebiet der Entführung zu haben. Vertreter der Opposition verstricken sich immer wieder in widersprüchliche Aussagen über Zustand und Aufenthaltsort der entführten Bischöfe.“, erklärt der Bundesvorsitzende Daniyel Demir weiter.

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland fordert die Bundesregierung mit Nachdruck dazu auf, ernsthafte Anstrengungen anzustellen und den politischen Druck auf die syrische Opposition und deren Partnern, darunter die Türkei, Katar und Saudi-Arabien, deutlich zu erhöhen. Das Bundesaußenministerium ist in der Pflicht, die direkten Beziehungen mit Vertretern der syrischen Opposition gezielt für eine unverzügliche Freilassung der entführten Bischöfe einzusetzen.

Bei der brutalen Entführung am 22. April 2013 wurden der syrisch-orthodoxe Metropolit Mor Gregorios Yohanna Ibrahim und sein griechisch-orthodoxer Amtskollege Boulos Yazigi nahe der Stadt Aleppo von islamistischen Rebellen verschleppt. Der Vorfall ereignete sich in einer von der oppositionellen Freien Syrischen Armee kontrollierten Region. Dabei wurde der Fahrer und Subdiakon von Bischof Ibrahim, Fatha’Allah Kabboud, ermordet. Weiterhin gibt es keine Hinweise zum Wohlergehen der Bischöfe oder zu möglichen (Lösegeld-) Forderungen der Täter. Sämtliche Bemühungen für eine Freilassung blieben bisher erfolglos.

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland e.V. ist die zentrale Dachorganisation der aramäischen Gemeinden und Vereine in der BRD und setzt sich für die Rechte und Interessen der Aramäischen Gemeinschaft in Deutschland sowie den Heimatländern ein. Die Aramäer sind ein semitisches Volk, das im Südosten der Türkei sowie in den Ländern des Nahen Ostens beheimatet ist. In Deutschland leben mehr als 100.000 Aramäer, in der EU insgesamt bis zu 300.000. Die christlichen Aramäer sind hauptsächlich Angehörige der syrischen Kirchen, darunter syrisch-orthodox, syrisch-katholisch, syrisch-maronitisch, syrisch-chaldäisch, apostolische Kirche des Ostens und Weitere.