PRESSEMITTEILUNG: Wiederholte Kurdische Terrorattacken gegen Aramäische Christen in Syrien Drucken
Mittwoch, 13. Januar 2016

14. Januar 2016 - Die Christen Syriens sehen sich erneut Angriffen ausgesetzt. Diesmal jedoch durch jene, die bisher selbst als Opfer stilisiert wurden – die Kurden. In erschütternder Weise hat die kurdische YPG eine Welle von Einschüchterungen, Drohungen und Anschlägen gegenüber den verbleibenden aramäischen Christen im Nordosten Syriens losgetreten. Der WCA verurteilt diese Terrorkampagne gegenüber einer schutzlosen Minderheit aufs Schärfste und ruft die Medien, Politiker und Menschenrechtsorganisationen gleichermaßen dazu auf, die Stimme zu erheben und dabei zu helfen, diese versteckte Strategie der demografischen Umwandlung zu beenden.

KÜRZLICHE MORDE AN CHRISTEN

Am Montag, 11. Januar 2016, ermordeten kurdische YPG-Kämpfer Gabriel Henry Daoud und verletzten mehrere Mitstreiter der aramäischen Schutzeinheit “Sootoro” in Qamishli im Nordosten Syriens, einer Grenzstadt gegenüber der Stadt Nusaybin auf türkischer Seite. Zeugen berichteten, dass die Angreifer auf einen Checkpoint des christlichen Viertels al-Wusta zufuhren und ohne Vorwarnung das Feuer auf die arglosen Mitglieder der Sootoro Schutzeinheit eröffneten.

Dieser Überraschungsangriff folgt den Bombenanschlägen vom 30. Dezember 2015, in welchem 13 Christen (neun Aramäer und vier Armenier) in Qamishli ums Leben kamen. Unbestätigte ISIS-Quellen hatten sich anfänglich zu den vermeintlichen Selbstmordattentaten auf das Café Gabriel, das Miami Restaurant und die in unmittelbarer Nähe befindliche Kirche bekannt.

Allerdings haben mehrere Zeugen bestätigt, dass unbekannte männliche Personen mehrere mit Sprengstoff gefüllte Taschen platziert hatten und eine vierte Bombe vor der Detonation entschärft werden konnte; es fanden zu keinem Zeitpunkt Selbstmordattentate statt. Als Folge darauf hat Sootoro die Sicherheitsmaßnahmen durch das Aufstellen von Checkpoints erhöht. Kürzlich forderten kurdische Kräfte daraufhin diese Checkpoints aufzugeben und attackierten später selbigen in al-Wusta. Örtliche Quellen berichten, dass dieser Anschlag, wachsende Spannungen und die alarmierenden Entwicklungen den Verdacht erhärten, dass kurdische YPG-Streitkräfte zumindest involviert, wenn nicht sogar verantwortlich für die kürzlich begangenen Bombenanschläge in Qamishli sind.

KURDEN NICHT UNSCHULDIG
Im Westen werden die Kurden oft als staatenloses Volk betrachtet, die schutzlose Opfer der Türken und Araber sind und denen ein eigener Staat im Norden des Iraks, dem Nordosten Syriens und der südöstlichen Türkei zugestanden werden sollte.
Darüber hinaus erhält dieses unschuldige Volk auf Grund des neuen Status als wertvoller Verbündeter im Kampf gegen ISIS sogar Waffen und jedwede nötige Unterstützung aus westlichen Ländern. Was jedoch weniger bekannt ist, ist die unangenehme Wahrheit, die keine oder nur wenig Beachtung im medialen und öffentlichen Interesse findet.

In den letzten Jahren haben die Kurden im Nordosten Syriens die Region Rojava  („Westkurdistan“) mit dem einhergehenden Streben nach Autonomie, wenn nicht sogar nach einem unabhängigen Staat Kurdistan propagiert, der schlussendlich mit dem kurdischen Teil des Iraks und sogar dem Südosten der Türkei, den sie erst kürzlich für autonom erklärten, zusammenwachsen soll.
Tatsächlich stammt das kurdische Volk jedoch ursprünglich aus dem Iran und seine Sprache ist der nordwestlichen Iranischen Sprachfamilie zuzuordnen. Wenige sind sich darüber bewusst, dass die Kurden es waren, die eine entscheidende Rolle in der Vernichtung und Vertreibung der aramäischen Urbevölkerung aus dem Südosten der Türkei und dem Nordirak spielten. Und nur wenige wagen es, die verborgene Strategie der anhaltenden Kurdifizierung im Nordosten Syriens zu erwähnen oder öffentlich zu machen.

Die YPG ist der militärische Arm der Demokratischen Einheitspartei Kurdistans (PYD), einer einflussreichen politischen Partei der syrischen Kurden, die ein Ableger der Kurdischen Arbeiter Partei (PKK) ist. So wie die PKK in den 1990er Jahren einige Aramäer im Südosten der Türkei organisierte, finanzierte und steuerte, tut dies die PYD heute mit der gleichen Teile-und-Herrsche-Strategie in Syrien.

Aus der Schutzeinheit “Sootoro” hat die PYD eine kleine Gruppe von Dissidenten auf ihrer Gehaltsliste und unter ihrem Oberbefehl, die sich ebenfalls „Sutoro“ nennt und, wenig überraschend, bisher keine Stellungnahme zu den letzten Anschlägen abgegeben hat; ihre Streitkräfte außerhalb Qamishlis sind unter der Bezeichnung „Syriac Military Council“ bekannt.
Am 2. November 2015 veröffentlichten 16 christliche Organisationen eine Stellungnahme, in welcher die Kurdifizierung des Nordosten Syriens durch die PYD verurteilt wurde. Die beabsichtigte Umwandlung dieses Teil Syriens in ein Kurdistan beinhalte auch die Durchsetzung der kurdischen Sprache und die Umwandlung der Lehrpläne an Schulen; die Einführung spezieller Steuern und das Rekrutieren von Nichtkurden; die Besitznahme von Gebäuden in vormals aramäischem Besitz, etc. Im Juni 2014 und Oktober 2015 berichtete Human Rights Watch über eine Vielzahl von YPG Verbrechen, darunter gewaltsame Vertreibung, Zerstörung von Häusern und Wohnungen als auch die Inbesitznahme und Zerstörung von Eigentum.

DIE ARAMÄISCHE URBEVÖLKERUNG IST DAS EIGENTLICHE OPFER
Geschichtlich gesehen war der Nordosten Syriens nie die Heimat der Kurden, noch war es ein Teil eines geografischen Gebietes mit der Bezeichnung Kurdistan. Der WCA verurteilt diese Form von Irredentismus, welcher unsere Gebiete einem nichtexistenten Staat einverleibt und annektiert.  Der bedauerliche Umstand, dass die Aramäer gewaltsam gezwungen wurden ihre Heimat zu verlassen, wird nun auf dieselbe Art ausgebeutet, wie es bereits vorher im Südosten der Türkei und im Nordirak geschehen ist, wo die Aramäer ehemals die Mehrheit in ihren Heimatgebieten stellten, bevor sie dezimiert und vertrieben wurden.

Seit 2011 sind ungefähr 70% der Aramäer aus Qamishli geflohen, sodass heute nur noch ca. 4.000 Familien (Mitglieder der Syrisch-Orthodoxen, Syrisch-Katholischen, Chaldäischen und Assyrischen Kirchen) in einer Gesamtbevölkerung von einigen hunderttausend zurückgelassen wurden.

Wenn es eine Nation gibt, die rechtlich und geschichtlich eine Anspruchsberechtigung auf Autonomie und Unabhängigkeit hätte, dann wären dies die ursprüngliche aramäische Bevölkerung Syriens.
In der Antike war Syrien (der griechische und römische Terminus für den ursprünglichen, semitischen Namen Aram) die Heimat der aus der Bibel bekannten aramäischen Fürstentümer, der Aramäischen  Sprache und Literatur, der Entstehung der frühen östlichen Christenheit, etc., etc.  Qamishli selbst, das bis heute einen aramäischen Bürgermeister hat, wurde 1926 von Aramäern gegründet, die aus der neugegründeten Türkischen Republik geflüchtet waren.

LASSEN SIE UNS SYRIENS ZUKUNFT GEMEINSAM AUFBAUEN
Die Aramäer sind zu einer schutzlosen Minderheit, ja sogar einer bedrohten Gemeinschaft im eigenen Heimatland geworden. Daher appellieren wir an unsere syrischen Landsleute, inklusive den syrischen Kurden, und an alle Regierungen dieser Welt:

  1.  Lassen Sie uns alle – Araber, Kurden und Aramäer – realisieren, dass wir mit ISIS und anderen jihadistischen Gruppen einen gemeinsamen Feind haben, der unser aller Leben bedroht und wir es daher nicht zulassen dürfen, dass wir einander bekämpfen und gegenseitig unsere Volksschutzeinheiten schwächen;
  2.  Lassen Sie uns – angeführt durch Gerechtigkeit, Achtung und Gleichheit -  eine Versöhnung, friedliche Beschlüsse für verschiedene Ansichten und die harmonische Koexistenz der unterschiedlichen  ethnisch-religiösen Gruppen anstreben;
  3.  Lassen Sie uns die territoriale Integrität Syriens schützen, seinen säkularen Charakter wieder aufbauen und das einzigartige Mosaik der Ethnien, Kulturen und Sprachen wiederherstellen, anstatt die persönlichen politischen Absichten und sezessionistischen Bestrebungen zu verfolgen;
  4.  Lassen Sie uns nach einer neuen Verfassung für Syrien rufen, die alle Menschen als gleichwertige Bürger schützt und wertschätzt, ihre individuellen und kollektiven Rechte garantiert ohne vor einer Debatte, in der wir uns die Art Staat, wie wir  unser geliebtes Heimatland in Zukunft vorstellen, zurückzuschrecken