PRESSEMITTEILUNG: Terrorwelle erschüttert Qamishli im Nordosten Syriens, 13 Aramäer sterben bei den Selbstmordanschlägen Drucken
Donnerstag, 31. Dezember 2015

Heidelberg/Qamishli, 31.12.2015  –  Bei mehreren Bombenexplosionen in Qamishli, einer Stadt unmittelbar an der syrisch-türkischen Grenze im Nordosten Syriens, sterben am Mittwochabend insgesamt 15 Menschen. Dutzende Schwerverletzte kämpfen noch um ihr Leben.

Der aramäischen Organisation in Qamishli "Syriac Aramaic Association of Qamishli" zufolge, wurden an mindestens vier Orten koordinierte und unmittelbar aufeinander folgende Selbstmordanschläge verübt, in einem Café, in Restaurants und nahe der St. Ephrem Kirche im christlichen Stadtteil Al-Wusta.

Zu den Selbstmordattentaten hat sich mittlerweile der sogenannte IS bekannt. Bei den heftigen Explosionen starben meist junge Menschen, 13 Aramäer und 2 Kurden. Die Zahl der Schwerverletzten ist aufgrund der sehr belebten Lokalitäten sehr hoch. Die örtlichen Krankenhäuser haben die Bevölkerung aufgerufen, Blut zu spenden, um den vielen Verletzten zu helfen.

„Wir verurteilen diese feigen Terroranschläge auf das Schärfste. Gerade in dieser Zeit treffen sie die Aramäische Gemeinschaft in Syrien tief ins Mark. Viele Aramäer hier in Deutschland haben Verwandte und Freunde verloren. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer und Verletzten.“, erklärt Daniyel Demir, Vorsitzender des Bundesverbandes der Aramäer.

„Die Selbstmordanschläge in Qamishli, unmittelbar an der syrisch-türkischen Grenze nur 50 km südlich der letzten verbliebenen Aramäer im Tur Abdin im Südosten der Türkei gelegen, geben Anlass zu größter Sorge auch mit Blick auf die Aramäer auf türkischer Seite. Die Terroranschläge in Qamishli richteten sich gezielt auf bekannte und sehr belebte Einrichtungen aramäischer Inhaber.“, erklärt der Bundesvorsitzende weiter.

Al Qamishli (aramäisch Zalin) wurde 1926 von aramäischen Christen aus dem Tur Abdin im Südosten der Türkei gegründet, die vor dem Völkermord an ihrer Gemeinschaft im Osmanischen Reich geflüchtet waren. In der Stadt mit ca. 180.000 Einwohnern, lebten etwa 40.000 aramäische Christen. Mittlerweile ist bereits mehr als die Hälfte geflohen.

Der Bundesverband der aramäischen Vereine in Deutschland e.V. setzt sich für die Rechte und Interessen der Aramäer in Deutschland und den Heimatländern ein. Die Aramäer sind ein semitisches Volk, das im Südosten der Türkei sowie in den Ländern des Nahen Ostens beheimatet ist. In Deutschland leben ca. 100.000 Aramäer, in der EU insgesamt bis zu 300.000. Die christlichen Aramäer sind hauptsächlich Angehörige der syrischen Kirchen, darunter syrisch-orthodox, syrisch-katholisch, syrisch-maronitisch, syrisch-chaldäisch, apostolische Kirche des Ostens und Weitere.