PRESSEMITTEILUNG: Bundesverband der Aramäer fordert Humanitäre Nothilfemaßnahmen Drucken
Montag, 02. November 2015

Heidelberg/Homs, 02.11.2015 – Die strategisch bedeutsame Stadt Sadad, zwischen Homs und Damaskus gelegen, ist seit gestern erneut Ziel von schweren IS-Angriffen. Unter der überwiegend aramäischen Bevölkerung sind bereits mehrere Tote und Verletzte zu beklagen. Tausende sind auf der Flucht nach Homs, Fairuzah und Zaydal.

Mit Blick auf die wiederkehrenden Ereignisse in Sadad äußert sich der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir, in großer Sorge: 

„Sadad war vor zwei Jahren schon einmal Schauplatz schrecklicher Hinrichtungen und Massaker von radikal-islamistischen Gruppierungen der Al-Nusra-Front, die eine völlig verwüstete und ausgeplünderte Stadt hinterließen. Das darf sich nicht wiederholen. Daher sind etwa 2000 bewaffnete Aramäer zur Selbstverteidigung im Ort zurückgeblieben.“

Ende Oktober 2013 berichtete der syrisch-orthodoxe Erzbischof von Homs und Hama, Mor Selwanos Boutros Alnemeh, von der tragischen Bilanz der Invasion islamistischer Milizen: „Was in Sadad stattgefunden hat, ist das größte Massaker an Christen, das es in Syrien seit zweieinhalb Jahren gegeben hat. Insgesamt 45 unschuldige Zivilisten, unter ihnen mehrere Frauen und Kinder, wurden ohne Grund hingerichtet und zum Teil in Brunnen geworfen. Dutzende wurden verletzt und 10 werden vermisst. Eine Woche lang wurden 1.500 Familien in Geiselhaft gehalten und als Schutzschilde missbraucht. Einige versuchten zu Fuß zu fliehen und die 8 km lange Strecke nach Al-Hafer zurückzulegen, um dort Zuflucht zu finden. Rund 2.500 Familien, die aus Sadad flohen, leben nun als Binnenflüchtlinge in Damaskus, Homs und den umliegenden Ortschaften.“

Bundesverband der Aramäer fordert Humanitäre Nothilfemaßnahmen 

„Mehrere tausend Bewohner befinden sich wieder auf der Flucht. Völlig mittellos droht ihnen in der kalten Jahreszeit großes Elend. Schnelles Handeln ist jetzt dringend geboten, denn es fehlt an allem: Unterkünfte, Nahrungsmittel, medizinische Grundversorgung und Heizgeräten.“, fordert der Bundesvorsitzende Daniyel Demir.  

„Erst vor wenigen Tagen traf Erzbischof Selwanos Boutros Alnemeh in Deutschland zu einer Veranstaltung des Bundesverbandes ein. In den kommenden Tagen waren Gespräche zur akuten humanitären Lage in Homs und Umgebung im Deutschen Bundestag geplant. Jetzt kehrt er unverzüglich in das Krisengebiet zurück, um seine toten Gemeindemitglieder zu beerdigen.“

Sadad, zwischen Damaskus und Homs gelegen, wurde bereits im Alten Testament erwähnt und ist eine der ältesten christlichen Ortschaften Syriens. Ihre Bewohner sind vorwiegend Aramäer und sprechen bis heute Aramäisch, die Sprache Jesu. Sadad ist sehr bekannt für seine vielen, alten Kirchen, wie die Kirche der Muttergottes, die Kirche des Heiligen George und der Heiligen Mor Sergius und Bacchus. Zahlreiche Vertriebene und Flüchtlinge aus anderen Ortschaften haben zuletzt in Sadad Zuflucht gefunden. Zwischenzeitlich lebten dort etwa 15.000 Christen.

Der Bundesverband der aramäischen Vereine in Deutschland e.V. setzt sich für die Rechte und Interessen der Aramäer in Deutschland und den Heimatländern ein. Die Aramäer sind ein semitisches Volk, das im Südosten der Türkei sowie in den Ländern des Nahen Ostens beheimatet ist. In Deutschland leben etwa 100.000 Aramäer, in der EU insgesamt bis zu 300.000. Die christlichen Aramäer sind hauptsächlich Angehörige der syrischen Kirchen, darunter syrisch-orthodox, syrisch-katholisch, syrisch-maronitisch, syrisch-chaldäisch, apostolische Kirche des Ostens und Weitere.