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Wahlen im Irak - Die FASD nimmt in der Augsburger Allgemeinen Stellung PDF Drucken
Dienstag, 09. März 2010

Sehr geehrte Damen und Herren,

anlässlich der sich dramatisch verschlechternden Lage und der gezielt blutigen Anschläge auf Christen im Zusammenhang mit den Parlamentswahlen im Irak möchten wir Sie auf einen Artikel in der Augsburger Allgemeinen vom 05.03.2010 hinweisen, indem die Föderation der Aramäer in Deutschland Stellung nimmt.

Christen und andere religiöse Minderheiten sind die Opfer des unverändert gewalttätigen Machtkampfes zwischen Schiiten und Sunniten. Es gibt keinen gesellschaftlichen Konsens im Land. Die Zahl der im Irak lebenden Christenbetrug vor 20 Jahren 1,4 Millionen, heute sind es nur noch etwa 400.000.

Ihnen gilt unsere uneingeschränkte Solidarität.

In diesem Sinne verbleiben wir mit den besten Wünschen,

Daniyel Demir, Generalsekretär
Bundesvorstand
Föderation der Aramäer in Deutschland

 

 

Erscheinungstag: 05.03.2010 - Zeitung: AZ
Ausgabe: B-GES - Ressort: POL - Seite: 8

Christen in Lebensgefahr

Irak Die Lage der Kirchen im Land des Alten Testamentes wird immer prekärer. Überfälle und Morde in Mossul. Bischöfe fordern ihre Glaubensgenossen zum Ausharren auf, doch viele verlassen das Land auf der Suche nach Frieden

Von Simon Kaminski

Augsburg Ein Klima der Angst hat sich der christlichen Familien in der nordirakischen Stadt Mossul bemächtigt. Es vergeht kaum ein Tag ohne Überfälle oder gar Morde. So drangen Anfang der vergangenen Woche mehrere bewaffnete Extremisten in ein von Christen bewohntes Haus ein und töteten nach Angaben der örtlichen Polizei den Vater und zwei Söhne. In den vergangenen drei Wochen haben Extremisten mehrere christliche Ladenbesitzer und Studenten ermordet.

Kaum jemand glaubt angesichts der massiven Häufung der Übergriffe gegen Christen an Zufall. Am kommenden Sonntag, 7. März, sind die Irakis zur Wahl eines neuen Parlaments aufgerufen. Es scheint, als wollten die Mörder die Christen vor der Stimmabgabe aus ihren Wohnbezirken vertreiben.

"Die Situation ist sehr ernst, nachdem es vor einigen Monaten noch Anzeichen einer Stabilisierung der Lage gegeben hatte", sagt der Irak-Experte Peter Gauweiler gestern unserer Zeitung. Der CSU-Bundestagsabgeordnete verfügt über ausgezeichnete Kontakte zu den christlichen Kirchen dort. "Besonders schlimm sieht es in Mossul aus. Die Christen im irakischen Abil hingegen, das der kurdischen Regionalregierung untersteht, können ohne Angst leben und ihren Gottesdienst feiern."

Eine Einschätzung, die David Gelen, Bundesvorsitzender der Föderation der Aramäer in Deutschland, im Prinzip teilt. Allerdings im Gespräch mit unserer Zeitung auch einschränkt: "Es stimmt, dass das Leben der Aramäer im Norden nicht bedroht ist. Doch in den neu gebauten Dörfern fehlt es völlig an Infrastruktur. Es gibt keine Arbeit." Zwar würden die Bischöfe ihren Landsleuten sagen, dass sie unbedingt bleiben sollten. Wenn sich aber nichts ändere, werde sich der Flüchtlingsstrom noch verstärken. "Auf Dauer wird es ohne eine echte aramäische Selbstverwaltung im Irak keine Zukunft für unser Volk geben", ist sich Gelen sicher.

Gauweiler hofft weiter auf diese Zukunft. Vor zehn Monaten begleitete er den damaligen Außenminister Walter Steinmeier (SPD) in das Land. Dabei traf er auf den charismatischen Patriarchen der chaldäischen Kirche, Emmanuel III. Karim Delly. Eine Begegnung, die Gauweiler tief beeindruckt hat: "Wir feierten die Messe in der Marienkirche in Bagdad. Der Patriarch betonte immer wieder, dass die Christen im Irak, dem Land des Alten Testamentes, bleiben wollten."Gesucht werde nach einer Perspektive für die verschiedenen Glaubensgruppen.

Doch nicht selten schwindet die Hoffnung, dass es in absehbarer Zeit wieder erträgliche Lebensbedingungen geben werde. Die Verzweiflung ist bezifferbar: Nach der aktuellen Gewaltserie gegen Christen sind rund 250 Christen aus der Stadt Mossul geflohen. Wie die Vereinten Nationen in New York mitteilten, stieg die Zahl der christlichen Binnenflüchtlinge im Irak damit auf über 4000 an. Damit eskaliert eine Entwicklung, die im Jahr 2003 nach dem Sturz des Diktators Saddam Hussein einsetzte. "Der Diktator und seine Baath-Partei waren weltlich ausgerichtet. Wer ihnen nicht in die Quere kam, der konnte seinen Glauben ausüben und unbehelligt leben", betont Gauweiler, der das Land anderthalb Wochen vor dem Beginn des Irak-Kriegs besuchte. Für den CSU-Politiker war der damalige Angriff der US-Amerikaner eine Verletzung des Völkerrechts.

Sieben Jahre später gab es jüngst trotz aller schlechten Nachrichten auch Zeichen für den Willen der Kirche, im Irak auszuharren. So gingen jüngst Tausende Christen in Mossul auf die Straße, um gegen die gewalttätigen Angriffe zu demonstrieren. Die Führer der verschiedenen Kirchen schlossen sich in einem Rat zusammen.

Indessen ist das Drama in Deutschland wieder verstärkt ins Bewusstsein gerückt. Unions-Fraktionschef Volker Kauder rief mit Blick auf den Irak zu verstärktem Schutz der verfolgten Christen auf."Wir müssen notfalls wie im Vorjahr irakische Flüchtlinge aufnehmen", forderte er. (mit dpa, kna)

Simon Kaminski