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Aramäer im Irak erneut Zielscheibe des Terrors PDF Drucken
Freitag, 03. Juni 2011

HEIDELBERG, 02.06.11 – In der nordirakischen Stadt Mosul ist am vergangenen Montag der stellvertretende Leiter einer Zementfabrik Arkan Yacob auf dem Weg zur Arbeit von Unbekannten mit mehreren Pistolenschüssen getötet worden. Der 63 Jahre alte Aramäer und Vater von vier Kindern war bereits zuvor Opfer zweier Entführungsversuche gewesen.


Der Bundesvorstand des Aramäischen Dachverbandes in Deutschland ist über die Mordserie der vergangenen Tage im Norden des Irak zutiefst entsetzt und fordert die westlichen Regierungen endlich zum Handeln auf. Erst vor zwei Wochen wurde ein 29-jähriger Familienvater in der nordirakischen Stadt Kirkuk entführt und kurz darauf enthauptet und verstümmelt aufgefunden. Der mittelosen Familie war es nicht gelungen, die geforderten 100.000 US Dollar Lösegeld aufzutreiben.

Bundesvorsitzender Daniyel Demir äußert sich sehr besorgt: „Diese unmenschlichen und bestialischen Taten im vermeintlich sichereren Nordirak haben die Aramäer und die übrigen christlichen Gemeinschaften in schreckliche Angst versetzt. Christen schweben in ständiger Lebensgefahr. Sie sind nirgendwo mehr sicher – weder auf dem Weg zur Arbeit oder in die Schule noch in ihren Wohnungen oder Läden.“

Todesdrohungen gegen Angehörige der christlichen Minderheiten im Irak werden auf Flugblättern verbreitet, islamische Geistliche fordern gar öffentlich zum Verlassen des Landes auf. Entführungen, Morde, Vergewaltigungen und Zwangskonvertierungen zum Islam finden tagtäglich ungehindert statt. Die irakische Polizei und die amerikanischen Truppen, so auch die in Mosul stationierte Einheit, sind offensichtlich nicht länger in der Lage oder gewillt, gegen diese anhaltende Welle der Gewalt anzugehen und die christlichen Gemeinschaften zu schützen. Augenzeugenberichten zufolge helfen amerikanische Truppen nicht einmal dann bedrohten Christen und anderen Minderheitenangehörigen, wenn diese vor ihren Augen angegriffen werden.

„Der Völkermord und die ethnischen Säuberungen gehen mit diesen brutalen Ermordungen ungehindert weiter. Die Aramäer im Irak könnten das Schicksal ihrer Glaubensbrüder in der Türkei erleiden und bis auf winzige Reste verschwinden“, so der Bundesvorsitzende des Aramäischen Dachverbandes weiter. Immerhin handle es sich um urchristliche Gemeinden mit einer fast 2000-jährigen Geschichte. Viele der irakischen Christen beten heute noch auf Aramäisch, in der Sprache Jesu.

Die fast 2000-jährige Geschichte der indigenen Aramäer auf dem Gebiet des heutigen Irak steht vor dem Ende. Seit der amerikanischen Invasion im Frühjahr 2003 hat sich die Situation der Christen massiv verschlechtert. Um dem Terror zu entkommen, bleibt ihnen nur die Flucht. Von den früher rund 1,5 Millionen indigenen aramäischen Bewohnern des Irak sind heute weniger als 500.000 übrig geblieben.

Wenn sich die Situation der Christen im Nahen Osten nicht grundlegend verbessert, droht der Massen- Exodus zu vollenden:

Diese eindringliche Warnung verbunden mit dem Aufruf, den bedrängten Aramäern und den anderen christlichen Gemeinschaften im Irak zur Seite zu stehen, nicht wegzuschauen und endlich zu Handeln, fordern wir von der deutschen Bundesregierung und den westlichen Staaten.


Der Bundesvorstand