baner
Sie sind hier:   Start Newsarchiv ++EILMELDUNG++: Kloster Mor Gabriel wird weiter enteignet!
++EILMELDUNG++: Kloster Mor Gabriel wird weiter enteignet! PDF Drucken
Mittwoch, 23. Februar 2011

Kloster Mor Gabriel verliert weitere Ländereien an den türkischen Staat – Dachverband der Aramäer in Deutschland ruft die Bundesregierung zu entschlossenem Handeln auf.

HEIDELBERG, 22.02.11 - Das Kloster Mor Gabriel im Südosten der Türkei hat einen weiteren schweren Rückschlag hinnehmen müssen: Im sog. „Waldverfahren“ hat das Oberste Gericht in Ankara letzte Woche die Berufung des Klosters gegen eine frühere negative Entscheidung des Gerichts in Midyat abgewiesen und große Landflächen, die seit Jahrhunderten im Besitz des Klosters sind, der staatlichen Forstbehörde zugesprochen. Dabei handelt es um ca. 27,6 Hektar Land.  

 
Bereits am 26. Januar 2011 urteilte der Oberste Gerichtshof in Ankara gegen das Kloster Mor Gabriel und sprach der Staatskasse 24,4 Hektar Land zu. Insgesamt wurden somit bisher ca. 52 Hektar Land enteignet. Das Kloster hat gegen beide Entscheidungen letzte Rechtsmittel eingelegt.
 
Der Aramäische Dachverband in Deutschland verurteilt die existenzbedrohenden Enteignungen in aller Deutlichkeit und fordert den türkischen Staat, der hinter diesem juristischen Kesseltreiben steht, auf, seine fragwürdige Politik in Bezug auf die aramäische Gemeinschaft zu ändern. „Beweismittel, wie Steuerunterlagen und Besitzurkunden, sowohl aus der ottomanischen Zeit als auch seit der Gründung der Republik Türkei, die unstreitig vorliegen, werden in diesen Verfahren einfach beiseitegeschoben und schlichtweg nicht gewürdigt“, so der Bundesvorsitzende Daniyel Demir.
 
Diese Urteile lassen für die Zukunft wenig Gutes erwarten und geben für das noch ausstehende Urteil im Prozess gegen den Stiftungsvorsitzenden des Klosters Kuryakos Ergün am 04.05.2011 wegen "Aneignung fremden Bodens" Anlass zu größter Sorge.  
Angesichts der vielen und sicherlich noch langwierigen Verfahren ist ein Standhalten des Klosters und eine Perspektive der Aramäer im Südosten der Türkei mehr als unsicher. Insbesondere ist in diesem Zusammenhang eine erschreckende und alarmierende Enteignungssystematik des türkischen Staates zu erkennen, die eine Vielzahl von Kirchen, Klöster und Ortschaften in der Region bereits massiv betroffen hat.  
 
Nach Auffassung des Bundesvorsitzenden des Dachverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir, “ist die Situation des Klosters und der Aramäer in der Türkei, Maßstab für den ernsthaften Willen der türkischen Regierung die Minderheiten- und Menschenrechte tatsächlich zu garantieren und damit einen entscheidenden Schritt in Richtung Europäische Union zu tun.“
 
Das Kloster Mor Gabriel mit seiner 1600 Jahre währenden Tradition als geistiges Zentrum der weltweit verstreuten aramäischen Gemeinschaft steht geradezu symbolisch für die schwierige Lage der Christen in der Türkei. 

Die beunruhigende Situation der Aramäer in der Türkei und das damit verbundene Schicksal des Klosters Mor Gabriel bedarf verstärkt internationaler Solidarität. Politik, Zivilgesellschaft und Kirchen müssen weiterhin gemeinsam entschlossen gegen diese Enteignungsverfahren, anhaltenden Schikanen und für die Existenzgrundlage und Lebensperspektive des Klosters Mor Gabriel und der Aramäer in der Türkei kämpfen. Die Fraktionen des Deutschen Bundestages sind gefragt, die Minderheiten- und Menschenrechte über alle Grenzen hinweg zu verteidigen und zu fordern. Wir hoffen auf ihre Entschlossenheit und Mithilfe!

 

Der Bundesvorstand

Föderation der Aramäer in Deutschland

FASD Kloster Mor Gabriel Mitteilung 22.02.11 als PDF