baner
Sie sind hier:   Start Newsarchiv Kloster Mor Gabriel kommt nicht zur Ruhe
Kloster Mor Gabriel kommt nicht zur Ruhe PDF Drucken
Mittwoch, 02. Februar 2011

Prozess gegen den Klosterverwalter Kuryakos Ergün

Die Gerichtsverhandlungen gegen das Kloster Mor Gabriel vor dem Obersten Gerichtshof in Ankara gehen in die nächste Runde. Am kommenden Mittwoch, den 26. Januar 2011 soll das Strafverfahren gegen Kuryakos Ergün, Stiftungsvorsitzender des Klosters, fortgesetzt werden. Dem Klosterverwalter wird vorgeworfen, die Klostermauer auf Staatsforst errichtet zu haben.

„In diesen Prozessen geht es um viel mehr, als nur um die Eigentumsrechte des Klosters. Sollte die Schutzmauer per Gerichtsurteil abgerissen werden, so stünde nicht nur die Existenz des Klosters als solches auf dem Spiel, sondern auch die Zukunft der Aramäer in der Türkei.“, so Daniyel Demir, Bundesvorsitzender der Föderation der Aramäer in Deutschland. „Die Türkei hat ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen gegenüber nichtmuslimischen Minderheiten, insbesondere der aramäischen Gemeinschaft, einzuhalten“, fordert er weiter.

Bis heute sind die Aramäer in der Türkei als Minderheit nicht anerkannt und können daher ihre Rechte, wie das elementare Menschenrecht auf Religionsfreiheit, nicht entsprechend ausüben. So ist der Bau oder Erhalt von Kirchengebäuden mit massiven Schwierigkeiten und Hindernissen verbunden, die Ausbildung des Priesternachwuchses oder aber auch der Unterricht der aramäischen Sprache, der Sprache Jesu, verboten. Die Lage der aramäischen Minderheit ist von erheblicher Rechtsunsicherheit und Willkür der örtlichen Behörden geprägt. Ein dahingehender Anspruch, basierend auf einer Rechtsgrundlage, besteht für die Aramäer nicht.

Der Erzbischof des Klosters Mor Timotheos Samuel Aktas mahnt eindringlich: „Ohne die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit wäre das Kloster schon längst verschwunden. Wenn aber das Kloster nicht mehr existiert, wird es in der Türkei auch bald keine Christen mehr geben.” Der Kampf um das 1.600 Jahre alte Kloster Mor Gabriel ist somit noch lange nicht ausgefochten.

Die Föderation der Aramäer in Deutschland appelliert an die deutsche und europäische Politik- und Medienlandschaft und ruft die Menschenrechtsorganisationen und Kirchen mit Nachdruck dazu auf, den diplomatischen Druck aufrecht zu erhalten und weiterhin auf die prekäre Situation des Klosters Mor Gabriel und den problematischen Rechtsstatus der aramäischen Minderheit in der Türkei aufmerksam zu machen.

Heidelberg, 24. Januar 2011
Der Bundesvorstand
Föderation der Aramäer in Deutschland