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FASD bei Trauerfeierlichkeiten der koptisch-orthodoxen Kirche vertreten PDF Drucken
Samstag, 08. Januar 2011

Bischof Anba DamianMit einem zentralen Trauergottesdienst in Frankfurt am Main wollen koptische Christen am Samstag den Anschlagsopfern von Alexandria gedenken.

An dem ökumenischen Gebet zum Gedenken an die Opfer in der koptisch-orthodoxen Kirche St. Markus in Frankfurt wird die Föderation der Aramäer in Deutschland durch den Bundesvorsitzenden Daniyel Demir und Generalsekretär Ohanes Altunkaya mit einer Delegation vertreten sein. Erwartet werden zudem Vertreter aus Politik und Würdenträger anderer christlicher Gemeinschaften.

Der Bundesvorsitzende Daniyel Demir hat in einem Kondolenzschreiben an Seine Eminenz Bischof Anba Damian und an die gesamte koptische Gemeinde, die tiefe Anteilnahme und Solidarität der Aramäer in Deutschland zum Ausdruck gebracht.


Anteilnahme verbunden mit tiefster Solidaritätsbekundung
im Namen der Aramäer in Deutschland

Ökumenisches Gebet in der koptisch-orthodoxen St. Markus Kirche in Frankfurt
08. Januar 2011

Seine Eminenz, hochgeschätzter Bischof Anba Damian,
Liebe koptischen Mitbrüder und Schwestern,
Shlomo - „Friede sei mit Euch“, heißt es in aramäischer Sprache,

heute werden wir in dieser lichtvollen und zugleich schmerzhaften Gebetswache den 23 Opfern gedenken, die in der Neujahrsnacht in Alexandria bei einem schrecklichen Bombenanschlag auf eine koptisch-orthodoxe Kirche aus dem Gebet und dem Leben gerissen wurden.

Im Namen der aramäischen Gemeinschaft in Deutschland möchte ich Ihnen und den Angehörigen und Familien, die bei diesem verabscheuungswürdigen und feigen Gewaltakt ihre Liebsten verloren haben, unser tiefstes Mitgefühl und unsere aufrichtige Anteilnahme aussprechen. Wir sind tief erschüttert und empfinden großen Schmerz.

Die Mitbrüder und Schwestern, an deren Namen wir heute in dieser Kirche erinnern, die nach dem heiligen Markus benannt ist, der 68 n. Chr. in Alexandria den Märtyrertod erlitten hat, und die unzähligen Menschen, die durch dieses brutale Verbrechen verletzt und gezeichnet sind, schließen wir in unsere Gebete mit ein.

Die entsetzliche Tat vom 31. Dezember 2010 ist nichts anderes als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und auf das Schärfste zu verurteilen. Bedauerlicherweise ist der Terrorakt in Alexandria kein Einzelfall. Erst vor zwei Monaten traf es die Aramäer in der Maria Erlöserin Kirche in Bagdad: Ein Selbstmordkommando stürmte am 31. Oktober den Sonntagsgottesdienst und tötete mit Bomben und Maschinengewehren 58 Menschen. Al-Qaida im Irak bekannte sich zu dem Massenmord. Das Christentum im Zweistromland ist in den letzten Jahren bereits um die Hälfte geschrumpft. Nach dem Massaker in Bagdad hat nun eine weitere Fluchtwelle eingesetzt. Die Welt schaut hilflos zu, während das Christentum der Aramäer und Chaldäer, in deren Gottesdiensten noch das biblische Aramäisch - die Sprache Jesu - Tradition ist, zugrunde geht.

Der blutige Anschlag in Alexandria ist mehr als nur eine weitere beklagenswerte Gräueltat: Es droht die kulturelle Selbstverstümmelung der islamischen Welt durch die schrittweise Vernichtung des orientalischen Christentums.

Die Ureinwohner Ägyptens und des Iraks, deren Gemeinden viele Hundert Jahre vor dem Islam schon dort beheimatet waren, sind Sündenböcke geworden und werden aus ihren frühesten Stätten vertrieben. Fanatiker erklären sie zu Fremdkörpern, die es auszumerzen gelte.

Wünschenswert ist in dieser Zeit, dass auch die Muslime im Westen den Kampf für die Rechte der Christen des Orients mit führen: Denn es ist auch ihr Kampf und ihre Pflicht, die Differenz zwischen dem Islam und der fanatischen Ideologie deutlich zu machen.

Diese brutalen Verbrechen der jüngsten Geschichte zeigen, warum Kopten und Aramäer dringend Schutz benötigen. Die Politik ist gefordert, den Worten endlich Taten folgen zu lassen und die Menschenrechte und Menschenwürde von Kopten, Aramäern und anderen unterdrückten christlichen Gemeinschaften zu verteidigen. Es ist höchste Zeit.

Liebe koptischen Mitbrüder und Schwestern, unsere Kirchen sind in ihrer jahrtausendealten Tradition sehr eng miteinander verbunden. Der Heilige Stephanus, dessen Märtyrertod wir heute gedenken, betete bei seiner Steinigung ganz im Sinne Jesu: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ (Apg 7,60)

In gemeinsamer Trauer über den Tod unserer Märtyrer ermutigt uns doch die frohe Botschaft der Geburt unseres Herrn und Retters Jesus Christus und die Engelsgesänge der himmlischen Heerscharen, die Gott lobten und sprachen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens." (Lukas 2, 13-14)

Ich wünsche Euch und uns allen in diesen Feiertagen, Ruhe und Besinnlichkeit und einen Frieden, der vom Licht der Weihnacht durchstrahlt wird.

Möge Gottes Segen uns stets begleiten.
In tiefer Verbundenheit und Solidarität,

 

Daniyel Demir

Bundesvorsitzender
Föderation der Aramäer in Deutschland