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FASD und die SUA beim Internationalen Kongress der Menschenrechte in Berlin PDF Drucken
Samstag, 13. November 2010

Das „Institute for Cultural Diplomacy“ (ICD) veranstaltete vom 01. bis 04. Oktober 2010 den renommierten „The Berlin International Human Rights Congress“ in Berlin. Der mit etwa 110 Akademikern sehr gut besuchte Kongress setzte sich vier Tage lang mit dem Themen  Menschenrechte und Demokratie auseinander. 

Der Bundesvorstand der Föderation der Aramäer in Deutschland (FASD) und der NGO-Weltverband der Aramäer (SUA) war durch Herrn Simon Marogi vor Ort vertreten.

Die Veranstaltung The Berlin International Human Rights Congress“ (BIHRC) ist international ausgerichtet. Dieser fand diesjährig am 20. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung statt, und soll eine interdisziplinäre Analyse der Bereiche Menschenrechte und Demokratie bieten. Die Veranstaltung hat die Entwicklungen in diesen Bereichen während der letzten zwei Jahrzehnten erforscht und reflektiert; die zentralen Themen wurden während der Diskussionen auf einer internationalen Ebene betrachtet. Das interessante und wirklich intensive Programm wurde von Vorlesungen, Seminaren, Debatten und Podiumsdiskussionen begleitet. Führende Persönlichkeiten aus der internationalen Politik, Diplomatie, Wissenschaft und Zivilgesellschaft referierten während des Kongresses. Die Teilnehmer des Programms hatten auch die einmalige Gelegenheit, den 20. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung auf den historischen Straßen von Berlin zu feiern.

Cem Özdemir, Vorsitzender der Grünen/Bündnis 90 Partei, sprach gleich zu Beginn über die friedliche Revolution in Deutschland, die nur wenig später zur Deutschen Einigung führte. Die versäumte Chance einer Integration der ersten Gastarbeitergeneration war ebenso ein Thema sowie das falsche Verständnis von „Multikulti“. Interessant waren seine Ausführungen bzgl. des Lebens in der Diaspora. Die Essenz seiner Ausführung bestand darin, dass die Gedanken in der Diaspora zu leben, beiseitegelegt werden sollten, schließlich leben wir alle größtenteils freiwillig in Deutschland. Niemand zwingt uns hier zu sein! Sicherlich haben nicht alle diese freie Wahl.

In einem persönlichen Gespräch nach dem Vortrag versicherte Cem Özdemir die volle Unterstützung gegenüber den Aramäern in Deutschland sowie deren Problemen in der Türkei, insbesondere in der Klosterproblematik, die ihm sehr am Herzen liegt und welche er selbst bereits mehrfach besucht hatte.

Prof. Dr. Theodor Schilling, u.a. Professor an der Humboldt Universität zu Berlin, begann mit einem historischen Einstieg der Menschenrechte. Chronologisch sprach er dann über die Entwicklung bis zum heutigen Stand, wobei er die politische und die philosophische Ebenen unterschied.
Erfreulich war die Anwesenheit von Prof. Dr. Heiner Bielefeldt. Dieser ist von den United Nations (UN) zum UN Special Rapporteur on Freedom of Religion or Belief ernannt worden und eine wichtige Kontaktperson bzgl. der freien Religionsausübung in aller Welt.
Auch er kannte die Problematik der Aramäer in der Süd-Ost Türkei und wird sich bei Bedarf für die Belange der Menschen vor Ort einsetzen. Während der 15ten Sitzung des UN Menschenrechtsrates im September 2010 in Genf konnten die Delegierten der aramäischen NGO Syriac Universal Alliance (SUA) bereits erste Beziehungen zu Herrn Prof. Dr. Bielefeldt aufbauen.

Politiker, Wissenschaftler, Journalisten und viele weitere internationale Akteuren sind sich weitgehend einig über die enorme Bedeutung der Menschenrechte. Trotz der Vielzahl an wichtigen Verträgen und Vereinbarungen gibt es auch weiterhin ein breites Spektrum an offenen und zentralen Fragen zu diesem Bereich. Als Beispiel soll hier die schwierige Umsetzung der Menschenrechte in Teilen der Türkei genannt werden. Die Frage der Menschenrechte spielt daher eine Schlüsselrolle in der internationalen Diplomatie,  sie skizziert die außenpolitischen Prioritäten der Länder und können bei Nichteinhaltung zur Anwendung von Wirtschaftssanktionen oder gar militärischen Aktionen führen.

Eng verbunden mit der Frage der Menschenrechte ist unser Verständnis von Demokratie und wie diese in der Praxis in verschiedenen Konstellationen umgesetzt wird. Insbesondere gibt es diverse Stellungnahmen dazu, ob sich Demokratie nur auf einen Staat bezieht, der "freie und faire Wahlen" garantiert, oder ob auch weitere Faktoren berücksichtigt werden müssen, wie zum Beispiel eine unabhängige Justiz und eine freie Presse. Der Berliner International Human Rights Congress hat sich mit den unterschiedlichen Definitionen von Demokratie auseinandergesetzt und durch internationale Fallstudien, Herausforderungen und Chancen erkundet.

Das übergeordnete Ziel des „Berlin International Human Rights Congress“ ist die interdisziplinäre, interkulturelle Diskussionen über die wichtigsten Fragen rund um den Bereich der Menschenrechte zu fördern und zu einem besseren Verständnis über nationale Grenzen hinweg zu fördern.
Bereits zum zweiten Mal konnte die Föderation der Aramäer in Deutschland (FASD) vor Ort präsent sein und Ihre Sicht der Problematik in den diversen Diskussionen einfließen lassen, damit auch der Standpunkt der Aramäer ein Gehör findet.

 

Heidelberg, 08.11.2010

Der Bundesvorstand
Föderation der Aramäer in Deutschland